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Abstammungskontrolle
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Abstammungskontrolle

Gesellschaft Weisse Schäferhunde (GWS) Schweiz & Veterinärmedizinische Züchtungsbiologie der Uni und ETH Zürich.

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Einführung

Eine wichtige Grundlage zur erfolgreichen Zucht von Haustieren ist die unabhängige Ueberprüfung der Abstammungen.

Während dies bei vielen Zuchtorganisationen von Schweinen, Rindern und Pferden routinemässig durchgeführt wird, schenken die meisten Clubs von Rassehunden der Abstammungskontrolle noch zuwenig Beachtung. Nur in Ausnahmefällen werden unabhängige Ueberprüfungen von einzelnen Würfen durch den Rasseclub oder die SKG angeordnet.

Die Gesellschaft Weisse Schäferhunde (GWS) Schweiz hat 1995 als erster Rasseclub (weltweit) die obligatorische Abstammungskontrolle mit Hilfe von molekulargenetischen Methoden eingeführt. Dabei werden hochvariable genetische Marker, sogenannte Mikrosatelliten, untersucht. Diese unabhängige Ueberprüfung der Abstammungen schützt den seriösen Züchter vor unwissentlichen Fehlern und trägt massgeblich zur Prävention von wissentlichen Fehlern bei. Der Käufer eines Weissen Schäferhundes hat auf diese Weise die Gewissheit, dass die Abstammungsurkunde korrekt ist und dass der Welpe aus einer anerkannten Zucht stammt. Ausserdem wird durch die Ueberprüfung der Abstammungen der Erfolg der Zuchtwertschätzung, eine weitere Massnahme zur Selektion von gesunden, leistungsfähigen und langlebigen Zuchttieren, optimiert.

Die unabhängige Ueberprüfung von Abstammungen wird oft, zu unrecht, als "lästige" und "überflüssige" Kontrolle des Züchters oder der Züchterin betrachtet. Unsere langjährige Erfahrung mit umstrittenen Abstammungen zeigt aber eindeutig, dass unwissentliche Fehler in der Hundezucht recht häufig vorkommen, aber nur äusserst selten erkannt werden. Fehlerhafte Abstammungen haben weitreichende Konsequenzen für den Zuchterfolg. Sie können dazu führen, dass nicht die richtigen Hunde für die Weiterzucht selektioniert werden und damit die Zuchtziele nicht erreicht werden.

Die Notwendigkeit der Einführung einer funktionierenden, routinemässigen und unabhängigen Abstammungskontrolle für Rassehunde wurde auch international erkannt. So hat z.B. der American Kennel Club (AKC) in den USA ein ähnliches Programm zur Erfassung der genetischen Fingerabdrücke ihrer Hunde gestartet.

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Figur 1:

Molekulargenetische Abstammungskontrolle bei einem Wurf Weisser Schäferhunde

Figur 1 zeigt

Figur 1 zeigt die Allele des Mikrosatelliten T2201 der Hündin, des Rüden und von 11 Welpen, nachdem sie vermehrt, der Länge nach aufgetrennt, gefärbt und photographiert wurden. Es können 4 verschiedene Allele (1-4) erkannt werden. Allel 1 und 4 stammen von der Hündin; Allel 2 und 3 stammen vom Rüden.
Ist die Abstammung korrekt, müssen je ein Allel der Hündin und des Rüden im Muster jedes Welpen gefunden werden.

Aufbau eines Mikrosatelliten

Das Erbmaterial (auch DNA genannt) ist ein fadenförmiges Molekül, welches aus 4 Bausteinen zusammengesetzt ist.

Diese 4 Bausteine sind die Basen Adenin (A), Cytosin (C), Thymin (T) und Guanin (G). Die gesamte genetische Information ist durch die Abfolge dieser 4 Basen verschlüsselt. Eine bestimmte Abfolge dieser Basen wird auch als DNA-Sequenz bezeichnet und enthält z.B. die Information für Gene, die auf den Chromosomen lokalisiert sind.
Zwischen den Genen liegen Mikrosatelliten. Diese sind ähnlich aufgebaut wie ein Güterzug: Ein sehr kurzes Stück der DNA z.B. die beiden Basen C und A sind mehrmals tandemartig hintereinander aufgereiht. Die Anzahl der Wiederholungen kann von Tier zu Tier variieren.
Waggon   CA                     kurzes Stück DNA
Güterzug 
CACACACACA  Mikrosatellit

jeder Welpe erhält je die Hälfte seines genetischen Materials von der Hündin und vom Rüden. Deshalb hat er auch für jeden Mikrosatelliten je ein Allel von der Hündin und vom Rüden vererbt bekommen. Sind das vom Rüden und von der Hündin vererbte Allel identisch, weist der Welpe nur eine Bande in seinem Muster auf (homozygot). Sind die Allele nicht identisch, sieht man 2 Banden (heterozygot).

Was wird für eine molekulargenetische Abstammungskontrolle benötigt ?

- der Tierarzt entnimmt den Hunden eine Blutprobe oder einen Mundschleimhautabstrich und sendet sie ins Labor ein

- dort wird zuerst das Erbmaterial (DNA) der Hunde isoliert
 
Was passiert mit dem Erbmaterial (DNA)

- es werden auf die Rasse hin getestete Mikrosatelliten im Erbmaterial untersucht.
 
Was sind Mikrosatelliten?

- Mikrosatelliten sind genetische Marker, die

ähnlich wie ein Güterzug aufgebaut sind

ähnlich wie Gene vererbt werden

oft viele verschiedene Allele in einer Population zeigen, die durch unterschiedliche Längen zustande kommen

-deshalb

können Mikrosatelliten für Verwandtschaftsabklärungen eingesetzt werden

können Mikrosatelliten in Zukunft zur Suche von defekten Genen eingesetzt werden

können einzelne Hunde eindeutig identifiziert werden


 
Wie werden Mikrosatelliten-Allele sichtbar gemacht?

-
zuerst werden die vermehrten Mikrosatelliten-Allele der Grösse nach in einer Gelelektrophorese aufgetrennt, dann mit einem fluoreszierenden Farbstoff angefärbt und photographiert. (siehe Fig.1).
 
Was passiert mit den Resultaten der Mikrosatelliten?

-
die Allele aller untersuchten Mikrosatelliten werden für jeden Hund in einer Datenbank gespeichert. Somit hat jeder Weisse Schäferhund seinen individuellen genetischen Fingerabdruck. Sind alle Hunde in der Zucht erfasst, müssen für die Abstammungskontrolle nur noch von den Welpen Probenmaterial eingesandt werden. Die Resultate der Mikrosatelliten-Untersuchung können auch zur Beantwortung weiterer interessanter Fragen des Zuchtverbandes herangezogen werden.
 
 
©Vetmed ZüBioCPS2001

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